Eine von Stefan Bergheim und Martina Öttl liebevoll gestaltete Zertifikatsübergabe rundete gestern Abend meine Weiterbildung zur Konzeption und Moderation von Zukünftelaboren ab. Im Verlauf von vier Online-Terminen – und Hausaufgaben dazwischen – lernten wir als Berater unsere Aufgaben von der Akquise bis zur Evaluation. Martina und Stefan versorgten uns mit viel Gedankenfutter und Lernmaterialien.
Anwendungsorientiert moderierten wir 12 Teilnehmenden im Verlauf der Weiterbildung die vier Phasen von ZukünfteLabore: Möglichst heterogene Gruppen entwickeln ihre wünschenswerten und wahrscheinlichen Zukünfte und reflektieren ihre Annahmen dahinter, bevor sie dann alternative Zukünfte – out of the box – gestalten. Sie leiten neue Fragen aus ihren Zukünften ab und kreieren potenzielle Handlungsfelder, zu denen sie gegebenenfalls Vereinbarungen treffen.
So wie wir (fast) alle lesen und schreiben lernen können, können wir unserer Zukünfte Kompetenzen entwickeln: „Futures Literacy“ nennt die UNESCO ihr entsprechendes Konzept (das Riel Miller mitentwickelte und für dessen Verbreitung in Deutschland sich Stefan Bergheim – und inzwischen das Zukünfte-Netzwerk – sehr engagieren).
Sechs Kompetenzen werden in diesem Konzept benannt:
- Kompetenz für Komplexität und Ungewissheit
Es hilft uns, zu verstehen und zu akzeptieren, dass lebendige Systeme komplex sind und nicht vollständig vorhergesagt oder kontrolliert werden können. - Kompetenz für Multiple Zukünfte
Die Kompetenz beschreibt das Wissen, dass komplexe Systeme mehrere mögliche Zukünfte hervorbringen können. Diese sind abhängig von unseren Entscheidungen, den Dynamiken und unerwarteten und unwahrscheinlichen Ereignissen mit erheblichen Auswirkungen (sog. Black-Swan-Ereignisse). Allein schon von „Zukünften“ statt der „Zukunft“ zu sprechen/ zu schreiben ist ein guter Schritt in diese Richtung. - Kompetenz für Imagination und Annahmen
Zukunftsbilder entspringen unserer Vorstellungskraft und sind von unserer Sozialisierung und kulturellen Narrativen geprägt. Futures Literacy bedeutet insbesondere, sich mit seinen eigenen Annahmen auseinandersetzen zu können: Was halte ich für wahrscheinlich, weil ich es evidenzbasiert einschätze? Was glaube ich, weil bestimmte Zukunftserzählungen medial dominieren? Bin ich auf der richtigen Fährte? Und wie sehen die Anderen das? - Kompetenz für Perspektivwechsel und Experimente
Zukünfte lassen sich spielerisch erkunden, etwa in Simulationen oder Zukünftelaboren. Es werden Geschichten erzählt und geschrieben, Skulpturen gestaltet oder (Science-Fiction-artige) Szenarien miteinander gespielt. Die Teilnehmenden eines Zukünftelabors sind in größtmöglicher Heterogenität eingeladen, um miteinander ihre Zukünftebilder zu explorieren. - Kompetenz für Neuartigkeit und Emergenz
Es geht darum, ein Gespür zu entwickeln, wie Neues unerwartet entsteht, und zu lernen, kreativ und zuversichtlich damit umzugehen. - Kompetenz für Handlungsfähigkeit und Umsetzung
Die Fähigkeit, aus Zukunftsbildern Handlungsschritte für die Gegenwart abzuleiten, ist wichtig. Unsere Zukunftsbilder geben uns Orientierung: Welche Szenarien halte ich/ halten wir für wünschenswert und was kann ich/ können wir tun, damit es in diese Richtung gehen kann?
Die Verfügbarkeit von Futures Literacy verhilft uns zu Erkenntnissen, was alles möglich sein kann. Dadurch können wir uns verstärkt auf Lösungen statt auf Probleme fokussieren und Handlungsschritte ableiten – und damit sind wir wieder bei einer meiner grundlegenden Haltungen: der Lösungsfokussierung 😉